
Rattentagebuch (Verfasser Tips)

Es war der 19. Dezember 1997. Ich lag mit meinen Geschwistern, wie auch schon die letzten Tage, in diesem blöden Glaskasten. Wir hatten keine Möglichkeit uns vor den aufdringlichen Begutachtern zu verstecken. Diese Zweibeiner klopften mitunter auch noch an unseren Glaskasten, was uns natürlich sehr erschreckte. Doch dieser Tag sollte anders werden.
Hier seht Ihr mich mal mit einem Joghurtdrop.

und hier ist auch mein Bruder Taps.

Der kahlköpfige Zweibeiner, der uns auch immer Futter und Wasser gab kam mit mit noch einen anderen Zweibeiner an und beide sahen in unsere Glasbehausung.
Da zeigte der andere Zweibeiner mit dem Finger auf mich. Oh, da habe ich aber Angst bekommen und wollte mich verstecken, doch dafür gab es hier ja gar keine Gelegenheit.
Der Kahlköpfige griff nach mir und ich hörte die Stimme des anderen Zweibeiners sagen: "Oh, der ist ja niedlich, dieses schwarze Fell mit den weißen Pfötchen und der weiße Bauchstrich, den will ich haben." Eh ich mich versah, war ich auch schon in einem kleinen Pappkarton, wo es ganz dunkel war. Auf einmal wurde der Karton wieder geöffnet und einer meiner Brüder kam zu mir, der aber keine weißen Pfötchen hat, sondern nur ganz dunkel ist. Gott sei Dank, war ich wenigstens nicht mehr alleine. Aber was nun??
Wir wurden etwas hin- und hergeschüttelt in diesem Karton, aber es dauerte nicht sehr lange und es wurde wieder alles ruhig.
Auf einmal wurde der Karton geöffnet und was sah ich?? Ein Gestell mit vielen blanken Stäben. Ich sah erst mal vorsichtig aus dem Karton und dann bin ich einfach in das komische Gestell geklettert. Mein Bruder kam auch gleich hinterher. Ich bin mit meinem Bruder überall hingeklettert und habe untersucht, ob wir alleine sind. Es war ganz schön aufregend. Da war ein Kasten aus Holz mit einem Loch vorne drin. Musste doch mal sehen, was es ist. Drinnen war es schön dunkel und es gab Papier. Mann, da konnte ich doch mit meinem Bruder schön schlafen. Aber erst mal weitersehen, was es noch so gibt.
Da stand ein Napf mit leckerem Futter drin, das ich probieren musste. Hmmmm lecker.
Auch mein Bruder ging auf Entdeckungstour. Der Zweibeiner, der uns mitgenommen hatte, stand vor dem Gestell, den er Käfig nannte und guckte uns an. Auf einmal hörten wir den Zweibeiner sagen: "So, du heißt Tips" und er zeigte mit dem Finger auf mich. Meinen Bruder nannte der Zweibeiner Taps. Aha, jetzt besaßen wir auf einmal sogar einen Namen. So langsam gefiel uns unser neues Zuhause. Endlich ein Schlafhaus und genügend Platz zum Spielen. Nachdem mein Bruder und ich ordentlich gespeist, getrunken und gespielt hatten, sind wir schlafen gegangen. Am nächsten Morgen hörte ich die Stimme unseres Zweibeiners wieder. Er sagte: "Guten morgen Tips und Taps. Habt ihr die erste Nacht gut verbracht?" Ganz vorsichtig ging ich an das Käfiggitter. Unser Zweibeiner stand davor und sah mich an. Ich habe es dann vorgezogen zu Taps in das Schlafhaus zu gehen und noch etwas zu schlafen. Den ganzen Tag ließ sich unser Zweibeiner nicht blicken.
Ab und zu hörten wir einen Vogel zwitschern, der hier wohl auch wohnt. Dann gab es da noch so ein komisches geticke und in gewissen Abständen ertönte Musik und jemand rief Kuckuck. Mann, das war vielleicht witzig. Am Anfang hatten mein Bruder und ich uns über diese Geräusche erschrocken, aber wir gewöhnten uns daran.
Morgens und abends hat unser Zweibeiner immer an so einer blanken Kette gezogen. Das fand ich irgendwie blöd. Aber unser Zweibeiner sagte uns, das man damit die Kuckucksuhr aufzieht. Versteh ich nicht? Wieso "aufziehen?", die hängt doch immer an der gleichen Stelle.
Am Abend machte unser Zweibeiner auf einmal eine Tür am Käfig auf. Was soll das nun wieder?? Na ja, da ich sowieso neugierig bin, hin zur Tür und nachsehen. Der Zweibeiner hielt eine große Pfote hin, die er Hand nennt. Ganz vorsichtig habe ich daran geschnuppert. Es scheint davon keine Gefahr auszugehen, also habe ich mich auch mal anfassen lassen. Doch eh ich mich versah, da hatte der Zweibeiner mich schon auf der Hand. Was passiert denn nun schon wieder?? Die andere Hand des Zweibeiners ging ganz sanft über meinen Rücken. Oh, das gefiel mir. Dann wurde ich wieder auf so ein komisches Ding gesetzt. Mein Zweibeiner nennt es Sessel. Ich blieb erst mal ruhig sitzen. Einen Moment später kam mein Bruder Taps zu mir. Unser Zweibeiner begann mit uns zu sprechen. Die Stimme klang doch recht vertrauensvoll. Ich glaube uns droht hier keine Gefahr mehr. Unser Zweibeiner, der übrigens ein Weibchen ist, hat uns dann solche komischen flachen runden Dinger hingehalten. Ich habe gleich geschnuppert und mir gedacht das man das essen kann. Hmm, war das lecker. Habe meinen Bruder gleich mitgeteilt, dass diese Dinger gut schmecken, denn er ist ja ein bisschen ängstlich.
Unser Weibchen sagte, dass das Yoghurtdrops sind. Wir beide fühlten uns so richtig wohl in unserer neuen Umgebung. Wir bekamen immer wieder etwas neues zum futtern. Es gab Möhren, Gurke, Apfel, Pellkartoffeln, gekochte Eier, Reis und Nudeln. Ab und zu nahm uns unser Weibchen und setzte uns in eine komische Schale und schrieb dann etwas in ein Buch. Aha, jetzt kontrolliert sie wohl noch, ob wir nicht zu dick werden. Anscheinend sind wir nicht zu dick, denn wir bekamen immer wieder Leckerbissen.
Eines Tages legte unser Weibchen uns eine gelbe große Stange in unseren Käfig. Natürlich musste ich gleich nachsehen was es war. An dieser Stange waren lauter Körner, die sehr saftig waren. Unser Weibchen sagte, das es sich hierbei um einen Maiskolben handelt. Also, nichts wie hineinbeißen. Das hat natürlich mein Bruder auch mitbekommen und wollte natürlich auch etwas davon abhaben.
Wir haben beide genüsslich diesen Maiskolben verspeist. Mitunter hielt unser Weibchen dann noch etwas rötliches, wabbeliges vor unsere feinen Nasen. Natürlich roch das sehr gut und ich schnappte auch sofort danach. Mein Bruder hingegen ging ganz vorsichtig an die Sache. Unser Weibchen meinte, dass das Fleisch ist. Ab und zu erhielten wir dann auch ein Stück, aber leider viel zu selten.
Abends wurde dann immer noch so ein rechteckiger Kasten eingeschaltet. Aus diesem kamen unterschiedliche Stimmen und es waren sogar Bilder zu sehen, die sich bewegten. Unser Weibchen nennt dieses Ding Fernseher. Auch ich habe mit meinen Bruder fern gesehen. Wir lagen beide auf dem Schoß unseres Weibchens, oder oben auf dem Sessel und konnte dann auch diese Bilder sehen. Mitunter raschelte dann etwas und ich sah gleich auf. Was war denn das?? Unser Weibchen wickelte da doch etwas aus Papier und das verschwand in einem Loch, das unser Weibchen im Kopf hat. Aha, dachte ich nur, unser Weibchen isst Leckerbissen und wir bekommen nichts ab. Also passte ich auf. Es raschelte schon wieder. Doch diesmal bin ich ganz schnell zu der Öffnung im Kopf meines Weibchens gerannt und habe versucht etwas abzubekommen. Doch unser Weibchen sagte, das es Schokolade sei, die für Ratten nicht gesund ist. Doch mein bettelnder Blick hatte sie wohl erweicht. Also bekamen wir ein ganz kleines Stück ab. Mitunter hatte unser Weibchen etwas von der Schokolade an den Fingern, die mein Bruder und ich dann abgeleckt haben. Das fand unser Weibchen sehr lustig. Man muss eben alles mitnehmen, was man bekommen kann. Hmmmm, das hat geschmeckt.
Mitunter wurden wir am Spätnachmittag durch Geräusche gestört. Was ist denn jetzt schon wieder los? Unser Weibchen durchwühlt ja unseren Käfig.
Sie meint, auch dieser muss mal sauber gemacht werden. Wir bekamen neue Einstreu und sauberes Papier für unser Schlafhaus. Na ja, ist wohl nicht verkehrt hier mal aufzuräumen. Unser Weibchen legte uns noch so eine komische Kugel mit mehreren Löchern in den Käfig. Da habe ich mich natürlich dann drin versteckt. Man konnte daran auch schön knabbern, da dieses Ding aus Heu bestand.
Nun waren mein Bruder und ich schon eine ganze Weile in diesem neuen Zuhause und wir fühlten uns hier auch sehr wohl.
Bei einer Reinigungsaktion unseres Käfigs hatte mich unser Weibchen einmal in der Hand und sah sich meine Hinterpfoten mal ganz genau an, denn diese waren doch recht dick geworden. Kurzerhand kam ich in einem kleinen Kunststoffbehälter. Mein Weibchen ging mit mir aus der Wohnung. Was hatte ich doch für Angst. Dann fuhren wir auch noch mit dem Auto weg. Als wir wieder aus dem Auto stiegen, natürlich hat mein Weibchen mich in der Box getragen, kamen wir in einem Raum, wo es ganz komisch roch und noch andere große Vierbeiner waren. Ich verkroch mich in die äußerste Ecke von dieser Box. Dann kamen wir wieder in ein anderes ganz helles Zimmer. Ein großer Zweibeiner redete ganz beruhigend auf mich ein und nahm mich plötzlich in die Hand. Vor lauter Aufregung ließ ich natürlich gleich ein paar Ködel auf seinen Tisch fallen. Jetzt begutachtete er auch noch meine Pfoten. Er sagte zu meinem Weibchen, dass dies ein Ballenabszess ist. Man könne nicht viel dagegen machen, aber ich sollte es mal mit Salbe versuchen. Als wir endlich wieder zu Hause waren, hatte ich auch keine Angst mehr. Es war ja auch nicht schlimm. Die nächste Zeit hat mein Weibchen mir immer etwas unter die Hinterfüße geschmiert. Geholfen hat es ein wenig, aber ich kann mit diesem Ballenabszess leben.
Doch im Dezember geschah wieder etwas Merkwürdiges. Unser Weibchen fuchtelte mit einem Holzstab in der Nähe unseres Käfigs herum und schrieb dann immer etwas auf einem Zettel. Wenn ich das richtig verstanden habe will sie für uns einen neuen Käfig bauen. Die nächsten Tage und Abende war es zeitweise doch recht laut in unserer Umgebung. Unser Weibchen sagte uns dann, das sie sägen und hämmern muss, damit unser neuer Käfig auch schön wird. Nach einigen Tagen wurde unser Käfig von seinem Standort einfach weggenommen. Unser Weibchen schob dann auf einmal einen großen Kasten in das Wohnzimmer genau an die Stelle, wo sonst unser Käfig stand. Mein Bruder und ich haben alles genau beobachtet. Nun stand der neue Käfig an seinem Platz. Mein Bruder und ich wurden dort einfach hineingesetzt. Oh, ist der groß. Der hat ja 3 Etagen und sogar 2 Schlafhäuser. Also, mein Bruder und ich mussten erst mal alles genau untersuchen. Von ganz unten kann man über eine Leiter oder über einen dicken Ast eine Etage weiter nach oben kommen. Na ja, ich nehme die Leiter, da brauche ich nicht so zu balancieren. Hier gibt es Futter und was zu trinken. Ein gelbes Rohr führt nach oben. Da kann man ganz gut durchkrabbeln. Was ist denn das? Da hängt unter der Käfigdecke so etwas Seltsames. Mal ausprobieren. Unser Weibchen sagt, es sei eine Hängematte. Also, ich nichts wie rein da. Oh, da liegt man ja bequem drin. Die werde ich mir gleich als Schlafplatz aussuchen. Außerdem gab es noch mehr Röhren zum Verstecken und durchkrabbeln. Nachdem mein Bruder und ich uns an das neue "Wohnhaus" gewöhnt hatten passierte schon wieder was Neues.
Unser Weibchen erzählte uns, dass wir Gesellschaft bekommen. Natürlich dachte ich sofort an hübsche Rattendamen. Aber Fehlanzeige. Sie sprach von 2 "Notfallratten". Das sollen Ratten sein, die keiner mehr haben will. Warum denn gerade wir?Wir hatten jetzt den 6. Februar 1999. Unser Weibchen kam plötzlich mit einem kleinen Käfig an. Da waren doch tatsächlich zwei Rattenböcke drin. Der eine war schwarz-weiß und sie nannte ihn Paule. Der andere war beige-weiß und den nannte sie Mac Fly. Komische Namen. Da finde ich Tips und Taps nun doch besser uns außerdem sind die doch gefleckt wie Kühe.n machte unser Weibchen auch noch unsere Wohnungstür auf und setzte diese beiden Fremden einfach in unsere gute Stube. Mein Bruder und ich gingen natürlich gleich zu den beiden Neuen hin und beschnupperten sie ausgiebig. Na ja, die beiden sind ja nicht übel. Also durften die beiden auch die Nacht mit uns im Schlafhaus verbringen.
Da liegt nun Mac Fly in der Hängematte
und das ist Paule 
Am nächsten Tag, es war ein Sonntag, haben die beiden auch noch von unserem Futter gegessen und getrunken. Meinem Bruder war das alles egal. Aber mich fingen die beiden an zu stören. Ich begann vor allem den Mac Fly durch den Käfig zu jagen. Das machte richtig Spaß. Gerade der Schwanz war ja so verlockend. Es war gegen 21.00 Uhr. Endlich hatte ich es geschafft. Der Schwanz von Mac Fly lag genau vor meiner Nase. Also schnappte ich danach und biss ordentlich hinein. Mac Fly schrie natürlich auf und rannte weg.
Hier seht ihr nun das Ergebnis vom Schwanzbiss
Unser Weibchen kam angelaufen und öffnete den Käfig und schimpfte mit mir. Sie nahm Mac Fly ganz aufgeregt aus dem Käfig und setzte ihn auf ein Handtuch auf dem Sessel. Vielleicht habe ich doch zu doll zugebissen, denn der Schwanz von Mac Fly blutete recht stark. Unser Weibchen hat dann Papiertücher um den Schwanz gewickelt und lief aus dem Wohnzimmer. Dann kam sie wieder und war wie wild mit Mac Fly am hantieren. Auf einmal hatte der an der Schwanzbissstelle einen dicken Pflasterverband. Das sah vielleicht lustig aus. Unser Weibchen hat dann Mac Fly in einen anderen Käfig gesetzt. Na ja, den waren wir erst mal los. Am nächsten Tag habe ich mir dann den Paule vorgeknöpft. Auch er bekam meine Zähne im Schwanz zu spüren. Nun hatte ich es endlich geschafft. Mein Bruder und ich hatten jetzt den großen Käfig für uns alleine. Doch was macht unser Weibchen?? Die unterteilt doch unseren schönen Käfig in 2 Abteilungen. Sie stellt einfach zwischen die zweite und dritte Etage schräg ein Brett in den Käfig.
Nun müssen mein Bruder und ich unten wohnen und Paule und Mac Fly kommen wieder in unseren Käfig nach oben. Ha, da habe ich wieder etwas entdeckt. Da die Bretter nicht ganz dicht an der Tür liegen, ist da ein Zwischenraum. Ab und zu hängt dort mal ein Schwanz durch, wo ich natürlich gleich wieder hinein beiße. Doch unser Weibchen macht mir da einen Strich durch die Rechnung. Sie hat doch einfach so etwas borstiges, man nimmt es für die Türen unten, an die Bretter getackert, so dass jetzt kein Schwanz mehr durchhängt. Schade eigentlich.
Aber abends dürfen wir alle vier zu unseren Weibchen auf dem Sessel. Ich möchte dann gerne mal in die anderen Schwänze beißen, aber unser Weibchen passt auf. Ab und zu putzen wir uns alle gegenseitig. Der Paule hält auch immer seinen Kopf so schief. Sieht irgendwie aus, als wenn der eine Macke hat. Mein Weibchen nennt das einen Schiefhals. Eines Tages hat sie ganz aufgeregt an Paule rumgefummelt. Sie hat eine haselnussgroße Beule an seinem Hals vorne entdeckt. Vielleicht hat er da ja einen Joghurtdrops gebunkert?
Am nächsten Tag ist sie dann mit Paule in der Kunststoffbox weggegangen. Ich nehme an, dass Paule auch zu dem großen Zweibeiner hin musste. Nach einiger Zeit sind die beiden wiedergekommen. Sie hat dann Paule in einen anderen kleinen Käfig gelegt. Oh, der bewegte sich gar nicht mehr. Unser Weibchen hat uns erzählt, das Paule einen Abszess am Hals hatte, den der Tierarzt entfernt hat. Dafür hat Paule eine Narkose bekommen, die noch immer wirkt. Also schläft Paule nur. Am nächsten Tag ist Paule wieder munter und kommt zu Mac Fly in unseren großen Käfig zurück. Dieses Spiel hat sich dann noch mal wiederholt.
So verging die Zeit und wir hatten schon den 21. August 1999. Unser Weibchen redete immer von einer Rattenausstellung. Was das wohl wieder ist? Mein Bruder und ich wurden in eine große Kunststoffbox gesetzt. Wir hatten wenigstens was zu essen dabei. Nach einer Tour mit dem Auto kamen wir in einem Raum, wo schon andere Boxen mit Ratten standen. Es wurde ein Zettel mit unseren Namen, Farbe (Black und Black Berkshire) und einer Nummer an die Box geklebt. Die Besucher sollten hier die schönste Ratte wählen, und dafür müssen die Boxen nummeriert sein. Es kamen viele Zweibeiner die uns ansahen und irgend etwas auf einem Zettel schrieben. Unser Weibchen kam öfter und sah nach uns. Dann nahm sie plötzlich Taps heraus und verschwand mit ihm. Er erzählte mir später, das er auf einer weißen Papierdecke laufen durfte und ein Mann mit einem großen Kasten auf der Schulter ihm dabei gefilmt hat. Na, der wird vielleicht noch ein Fernsehstar. Dann wurde es plötzlich ganz ruhig in dem Raum.
Auf einmal hörte ich meinen Namen. Die Zweibeiner haben mir doch tatsächlich den 3. Platz "Best in Show" gegeben. Dafür bekam mein Weibchen eine Urkunde. War ich stolz, na ja ich bin auch etwas besonderes.
Als wir dann abends wieder zu Hause waren, habe ich Paule und Mac Fly natürlich von meiner Urkunde erzählt, doch das hat die anscheinend nicht interessiert.
Die Tage vergingen und nun musste auch Mac Fly zum Tierarzt. Der hatte so eine Flüssigkeit im Ohr. Unser Weibchen hat immer ganz vorsichtig das Ohr saubergemacht.
Ich habe da mal dran gerochen. Das war nicht schön. Mac Fly ging es wirklich nicht gut und unser Weibchen hat sich sehr viel um ihn gekümmert.
Am 25. August 1999 änderte sich schon wieder etwas in unserem Rattenleben. Unser Weibchen kam doch tatsächlich wieder mit 2 neuen Rattenböckchen an. Sie erzählte uns, dass die beiden noch ganz jung sind. Sie nannte den einen Dorian. Der hat ganz helles Fell und rote Augen. Sie sagt der ist was Besonderes, nämlich ein Champagner-Bock. Den anderen nennt sie Aladin. Der soll angeblich ein Agouti Berkshire sein. Ich finde der sieht aus wie alle anderen Wildratten. Doch was macht denn unser Weibchen jetzt schon wieder??
Hier passe ich auf, damit Aladin nicht wegläuft
und hier liegt Dorian auf mir und ich wiederum auf Taps
Die baut unsere Wohnung um. Das blöde Brett in der Mitte verschwindet und auf einmal haben wir schon 3 Schlafhäuser. Nun setzt sie auch noch die Neuen in unseren Käfig. Ich werde denen schon zeigen wer hier der Boss ist. Erst mal alle beschnuppern.
Riechen nicht schlecht die neuen. Nun leben wir schon zu sechst in diesem Käfig, aber wir haben uns alle aneinander gewöhnt. Nur Mac Fly geht es immer schlechter. Wir haben den 30. August 1999 und plötzlich fällt Mac Fly von der obersten Etage auf die mittlere. Man hab ich mich erschrocken.
Unser Weibchen kommt sofort angelaufen und öffnet den Käfig. Sie nimmt den armen Kerl heraus, der sich aber wehrt. Nun sitzt unser Weibchen auf dem Sessel mit Mac Fly im Arm und weint. Ich glaube der Ärmste ist gestorben. Dann macht sie wieder den Käfig auf und legt Mac Fly hinein. Mein Bruder, Paule, die beiden Neuen und ich gehen sofort hin. Wir beschnuppern ihn noch mal, aber Mac Fly ist tot. Och, so übel war er eigentlich nicht. Er hat mir sooft das Fell geputzt, was ich auch genossen habe. Paule ist richtig traurig. Aber wir werden ihn schon wieder aufmuntern. Abends dürfen wir alle wieder zu unseren Weibchen auf den Sessel. Der Neue, der Dorian, der hat seinen Spaß daran uns alle ausgiebig zu putzen. Ist ja auch angenehm.
Nachdem er mich geputzt hatte, legte er sich neben mir auf den Rücken und stupste mich auch noch an. Was denn, soll ich ihn jetzt auch putzen?? Habe aber keine Lust dazu und schlafe lieber.
Wir fünf führen eigentlich eine gute Wohngemeinschaft.
Doch das soll sich noch ändern. Uns bleibt auch gar nichts erspart.
Am 9. Oktober 1999 bringt unser Weibchen doch tatsächlich schon wieder einen Bock nach Hause. Der sieht genauso aus wie Aladin, ist aber ein bisschen heller. Sie nennt ihn Casimir. Der ist noch ganz jung. Abends, wenn wir auf dem Sessel sind und ich schlafen möchte, dann trampelt der doch auf mir herum. Na ja, der ist noch viel zu jung, den kann man nicht böse sein. Dorian versucht ihn zu erziehen. Er packt sich Casimir, dreht ihn auf den Rücken und dann wird er ausgiebig geputzt.
Casimir hat sich auch gleich seine Behausung ausgesucht

Hier beschnuppert er gerade eine Keramikmaus

Eines Tages ist unser Weibchen wieder ganz aufgeregt, denn Paule hat schon wieder eine Beule am Hals. Also verschwindet unser Weibchen mit Paule und lässt das blöde Ding wieder vom Tierarzt entfernen. Nach einem Tag darf er wieder zu uns. Den armen Kerl kann man nur bedauern. Casimir kratzt sich jetzt immer sooft. Unseren Weibchen gefällt das gar nicht. Sie nimmt ihn in die Hand und durchsucht sein Fell. Vielleicht hat er ja Flöhe?
Auch bei Dorian findet sie einige Stellen am Kinn. Bei mir und meinen Bruder ist natürlich nichts zu finden.
Dann nimmt sich unser Weibchen so einen Kasten mit Zahlen und tippt darauf ´rum. Dann spricht sie auch noch mit den Kasten. Merkwürdig?
Dann erzählt sie uns, das Casimir Milben hat. Igitt, hoffentlich habe ich die nicht auch schon in meinem schönen Fell. Am nächsten Abend müssen wir alle nacheinander zu unserem Weibchen in die Hand. Die träufelt uns etwas Stinkendes in den Nacken und meint, dass das hilft. Ich bin skeptisch. Nach ein paar Tagen untersucht sie wieder Casimir und lobt ihn, da er keine Milben mehr hat. Noch mal Glück gehabt.
Unser Weibchen sitzt abends immer im Sessel und hat dann auch noch die Beine auf so ein komisches Ding gelegt, das aussieht wie eine Wippe. Aladin, Dorian und Casimir wollen da immer rumlaufen, aber unser Weibchen will das nicht. Dorian und Aladin haben ja begriffen, dass sie das nicht dürfen. Doch Casimir läuft immer auf diese Wippe und setzt sich hinten auf die Kante. Doch was macht er nun? Der springt doch tatsächlich da runter und landet auf dem Teppich. Hoffentlich hat er sich nicht weh getan. Unser Weibchen hebt ihn sofort auf, doch dem Kleinen ist nichts passiert.
Diese Gelegenheit nutzen Dorian und Aladin aus, um auf den Tisch zu klettern. Dorian schnappt sich ein Stück eingewickelte Schokolade und flüchtet wieder auf dem Sessel. Während unser Weibchen ihm diese wieder abnimmt ist Aladin damit beschäftigt den Kopf in ein rundes Gefäß zu stecken. Doch unser Weibchen sieht es und schimpft:" Aladin, du sollst keine Milch trinken!"
Milch schmeckt auch Ratten.

Ich liege wieder so schön gemütlich mit meinem Bruder in der Sesselecke und Dorian und Aladin putzen sich. Unser Weibchen will gerade auch Paule aus dem Käfig holen, als Casimir auf die Sessellehne klettert. Was macht denn der jetzt? Der springt doch einfach unseren Weibchen auf dem Rücken. Man hat die sich erschrocken. Ich glaube Casimir ist keine normale Ratte, der stammt bestimmt von einer Fledermaus ab. Nun macht unser Weibchen seine Spiele auch noch mit. Sie stellt sich ca. 1,20 m entfernt vom Sessel, hält ihre Hände hin und der Casimir springt ihr da hinein. Das würde mir nicht im Traum einfallen. Springen!!!
Irgendwie finde ich das ja albern.
Aber Casimir kann davon nicht genug bekommen.
Er klettert unseren Weibchen sogar auf dem Kopf, in die Ärmel und unter den Pullover.
Neulich habe ich unser Weibchen geärgert. Bin einfach an ihrem Bauch hochgeklettert, habe dann ganz vorsichtig in das vorstehende Ding in ihrem Kopf gezwickt, ich glaube es ist eine Nase, und bin dann schnell weggelaufen. Sie hat aber nicht geschimpft, sondern fand es recht lustig.
Einmal hat sich Dorian mit Paule angelegt. Paule lag in seinem Heunest und Dorian versuchte ihn mit der Pfote zu erwischen. Doch unser Weibchen hat mit Dorian geschimpft. Doch das störte ihm nicht.
Paule kletterte aus dem Nest und Dorian viel gleich über ihn her. Paule hat natürlich gleich geschrieen und unser Weibchen hat sich dann den Dorian gegriffen. Doch was macht der? Der beißt doch einfach unseren Weibchen in den Finger. So etwas würde ich nie machen. Der Finger war ganz schön am Bluten. Nun lief unser Weibchen mit so einen Pflasterverband herum. Am nächsten Abend war der Finger etwas dicker als sonst. Sie hat aber nicht mit Dorian geschimpft, weil sie meint es sei ein Reflex gewesen. Natürlich habe ich versucht das Pflaster abzuknabbern, was aber nicht geklappt hat.
Mittlerweile sind mein Bruder und ich nun auch schon 26 Monate alt. Unser Fell wird langsam dünner und bewegen wollen wir uns auch nicht mehr so.
Mein Bruder hat jetzt auch noch Probleme mit den Hinterbeinen. Er kann sich nicht mehr damit putzen und kann schlecht laufen. Aber er kommt gut damit zurecht und das Putzen übernehmen wir anderen schon. Unser Weibchen nimmt uns auch gerne in den Arm und krault uns, was wir sehr gerne mögen. Ab und zu meint Dorian, er sei der Boss. Aber nicht mit mir. Auch wenn der schon 700 gr. wiegt und ich nur 540 gr. bin immer noch ich der Boss. Wir streiten uns manchmal, aber wir sechs verstehen uns doch prima. Unser Weibchen verhält sich auf einmal so merkwürdig. Sie gibt komische Geräusche von sich.
Da wir schon auf unseren Ausgang warten, kommt unser Weibchen endlich zum Käfig und nimmt uns aber nicht heraus. Sie erzählt uns etwas von einer Erkältung die sie hat und uns nicht aus dem Käfig holt, da sie gleich wieder in ihr Bett geht und uns auch nicht anstecken will. Na ja, hoffentlich dauert das nicht solange. Wir haben jetzt Freitag, den 18. Februar 2000. Dieser Tag hat mein Leben ganz schön verändert. Gegen 10.30 Uhr kommt unser Weibchen an unserem Käfig und kontrolliert, ob wir alle da sind. So ein Blödsinn. Sie macht doch die Tür immer zu und wir haben keine Gelegenheit abzuhauen. Doch plötzlich öffnet sie ganz hastig die Tür und ruft immer nur Taps. Da ich auch noch geschlafen habe, wusste ich nicht wo er sich aufhält.
Er lag auf der mittelsten Etage vor dem Schlafhaus und rührte sich nicht mehr. Unser Weibchen hat ihn sofort aus dem Käfig genommen und immer wieder gestreichelt. Sie begann plötzlich zu weinen und meinte nur: "Taps ist tot!"
Sie legte uns meinen Bruder noch mal in dem Käfig und so konnten wir alle noch mal Abschied von ihm nehmen. Er war noch ganz warm und ich konnte es kaum glauben, das mein Bruder tot war. Ich habe mich dann den ganzen Tag in mein Schlafhaus zurückgezogen. Obwohl unser Weibchen krank war, ist sie mit Taps zum Tierarzt gefahren. Sie wollte unbedingt wissen woran Taps gestorben ist.
Dieser Tag war doch recht traurig für uns alle.
Am Abend klingelte das Telefon und unser Weibchen sprach mit jemanden über meinen Bruder. Als sie fertig war sagte sie zu uns:"Taps hatte 2 Eiterherde rechts unter der Schädeldecke. Man hätte ihm nicht mehr helfen können."
Hoffentlich bekomme ich nicht auch so etwas.
Da ich die nächste Zeit doch sehr traurig über den Tod meines Bruders war, versuchte Paule mich zu trösten. Da wir beide ja die Ältesten sind, haben wir uns so richtig angefreundet. Wir schlafen jetzt zusammen in einem Schlafhaus und putzen uns gegenseitig. So langsam sind wir wieder in unserem Alltagstrott. Die Zeit vergeht und auch ich werde älter. Meine Hinterbeine kann ich nicht mehr so gut bewegen und mich auch nicht mehr so damit putzen. Auch das Klettern fällt mir schwerer, aber ich habe ja Zeit. Unser Weibchen massiert mir abends meine Hinterbeine, aber es hilft nicht. Aber wenn es Yoghurtdrops gibt, dann bin ich schnell zur Stelle.
Eines Tages gibt der Fernseher unseres Weibchens merkwürdige Geräusche von sich. Es dauert nicht lange und es kommt ein großer Mann vorbei, der sich den Fernseher genau ansieht. Doch dann steht er vor unserem Käfig und bewundert uns. Casimir ist natürlich wieder so neugierig, das er zu dem Fremden auf dem Arm klettert und sich dann auf seine Schulter setzt. Unser Weibchen unterhält sich mit dem Mann und plötzlich springt Casimir ihr ins Gesicht. Oh, hoffentlich ist nichts passiert. Unser Weibchen hat sich ganz gewaltig erschrocken und Casimir auch gleich in dem Käfig gesetzt. Sie hat 3 Kratzer vom Auge zur Nase. Sieht irgendwie witzig aus. Es war aber nicht so schlimm, denn nach 3 Tagen konnte man nichts mehr sehen.
Eines abends auf dem Sessel, Casimir wollte wieder seine Sprungübungen machen, setzte sich Aladin einfach neben ihm auf die Sessellehne. Was nun? Will der etwa auch noch springen? Tatsächlich. Aladin setzt zum Sprung an, aber er traut sich nicht. Unser Weibchen geht jetzt ziemlich nah an den Sessel und hält die Hände hin. Aladin springt doch tatsächlich in ihre Hände. Nun springen Casimir und Aladin abwechselnd vom Sessel. Allerdings hat Casimir schon mehr Erfahrung und springt natürlich auch weiter. Aladin schafft nur 60 cm. Nachdem wir abends wieder in unserem Käfig sind, verschwinden Casimir und Aladin gleich im Schlafhaus. Ich wette, das Aladin sich Tipps von Casimir holt, wie er weiter springen kann. Eines Tages kam Aladin an mein Schlafhaus und hat mich geärgert. Wir haben uns ganz schön gestritten und Casimir kam auch noch dazu. Unser Weibchen hat nicht eingegriffen, da es doch recht harmlos aussah. Als wir alle aus dem Käfig kamen hat unser Weibchen mich ganz erschrocken angesehen. Da hat sie einen ca. 3 cm langen Riss auf meinem Rücken entdeckt. War gar nicht so schlimm. Das war bei der Rauferei mit Casimir und Aladin entstanden. Der Riss war ja nur oberflächlich und es fehlte mir ein wenig Fell. Ist aber wieder gut verheilt.
An einem Samstagabend erzählte unser Weibchen von 4 jungen Rattenböcken, die noch kein neues zuhause haben. Sie will am Sonntag mal hinfahren und sich die kleinen ansehen. Bloß nicht! Die setzt uns doch garantiert schon wieder so einen Bock vor die Nase. So kam es auch. Am Sonntag den 26. März 2000 kam der Neue. Er wurde in unserem Käfig gesetzt und wurde Caspar genannt. Man ist der winzig. Unser Weibchen sagt es ist ein Buff Hooded und wiegt 95 gr. Irgendwie hat er Ähnlichkeit mit Mac Fly. Einen ganz hellbraunen Kopf und Streifen bis zum Schwanz und die Seiten und der Bauch sind weiß. Die anderen beschnuppern ihn erst mal. Aber das mach ich nicht. Viel lieber jage ich ihn erst mal durch den Käfig. Der ist aber ängstlich und versteckt sich gleich in einer Röhre. Ich stecke natürlich meinen Kopf hinein, mein Körper passt da ja nicht mehr durch, und suche ihn.
Caspar guckt doch recht unschuldig
und putzt mir sogar den Rücken.

Der Witzbold ist gar nicht mehr da? Wo ist er denn? Da steht er doch neben der Röhre und beobachtet mich. Na warte, ich bekomme dich schon. Abends sitzt der Caspar bei unserem Weibchen auf dem Schoß. Mal sehen, was er so abkann. Ich nähere mich so langsam und dann packe ich ihn mir am Fell und versuche ihn vom Schoß zu ziehen. Doch das gefällt unseren Weibchen gar nicht. Caspar läuft ganz verschreckt weg und klettert auf die Schulter unseres Weibchens. Die nächsten Tage haben wir noch ruhe. Caspar ist in einen kleinen Käfig alleine untergebracht. Auf dem Sessel verstehen wir uns besser. Ich habe ihn auch schon geputzt. Macht richtig Spaß, weil sein Fell noch so weich ist. Da er auch gerne in meiner Sesselecke liegt krabbelt er einfach unter meinen Bauch durch und klemmt sich hinter mir in die Ecke. Letztens haben wir alle so schön in der Ecke gelegen und Caspar hat sich einfach auf mich gelegt, weil er nicht in die Ecke kam. Er ist ein kleiner süßer Ratz und er gehört jetzt einfach zu uns.
Nachdem wir abends wieder in unseren Käfig sollten, mussten Aladin und Casimir natürlich wieder springen. Doch diesmal hat sich Caspar einfach vor die beiden auf die Sessellehne gesetzt. Nanu?? Will der Kleine etwa auch springen??
Tatsächlich, er springt zu unseren Weibchen in die Hände. Na das kann ja noch heiter werden. Nun wohne ich schon mit drei Springratten zusammen.
Nun erzählt unser Weibchen, das Aladin Vater werden soll. Das ist ja witzig. Wir haben doch keine Rattenweibchen hier. Doch eines abends kommt sie mit einer Box an. Was sehe ich da??
Tatsächlich ein Rattenweibchen. Die gefällt mir auch. Sie heißt Kari und hat ein schönes hellbraunes Fell. Vielleicht kommt die gleich zu uns im Käfig. Pech gehabt. Die Kleine wird in einen anderen Käfig gesetzt. Am nächsten abend dürfen Aladin und Kari im Flur herumtoben. So ein Mist. Wir anderen dürfen nicht mit und können nicht sehen was die beiden da machen und ich bin doch so neugierig. So geht das nun schon ein paar Tage lang. Aladin hat uns erzählt, das sie Fangen gespielt haben. Dabei hat er noch ganz blöd gegrinst. Doch eines Tages ist Kari wieder verschwunden. Die Tage vergehen und unser Weibchen erhält einen Telefonanruf. Ich höre nur "Schade, hat nicht geklappt, versuchen wir es noch mal". Was das wohl wieder bedeutet?
Aladin untersucht Kari erstmal 
Aber die beiden sind doch wirklich ein hübsches Paar.

Nun kommt unser Weibchen an unseren Käfig und sagt:" Aladin, es hat nicht geklappt. Kari bekommt keine Babys. Sie kommt dich noch mal besuchen und dann gib dir gefälligst Mühe. Wenn du dich anstrengst, dann darfst du auch einen Sohn behalten."
Vielleicht ist er einfach noch zu jung. Mit mir hätte Kari bestimmt mehr Glück gehabt. Aber was habe ich gehört? "Einen Sohn behalten?" Das heißt, wenn Aladin tatsächlich noch Vater wird, dann bekommen wir schon wieder einen Bock dazu.
Ach du grüne Neune. Der wird bestimmt auch anfangen zu springen. Nun heißt es erst mal abwarten und Yoghurtdrops knabbern.
Wir haben heute Sonntag, den 21. Mai 2000.
Wie immer werden wir von unseren Weibchen geknuddelt. Doch als ich an der Reihe war, da hat mich unser Weibchen immer wieder ganz sanft an der rechten Seite in der Nähe des Vorderbeines gekrault. Sie hat ganz erschrocken mit mir geredet: "Was ist denn das? Tips, du hast da ja einen Knubbel, den man hin- und herschieben kann. Hoffentlich ist es nichts ernstes." Ja, seit ein paar Tagen habe ich es auch bemerkt. Da ist etwas, was man ganz leicht schieben kann. Ich höre nur noch: "Morgen geht´s gleich zum Tierarzt." Hoffentlich muss das nicht operiert werden, so wie bei Paule.
Ein bisschen angst habe ich nun doch. Am nächsten abend werde ich dann in die berühmte Plastikbox gesetzt und zum Tierarzt gefahren. Der große Mensch betastet jetzt auch noch meinen Körper.
Er hat den Knubbel entdeckt und sagte zu meinen Weibchen: "Das kann mit den Muskeln oder Lymphdrüsen verbunden sein. Erst mal abwarten.
Wenn das Ding aber größer wird, dann müssen wir etwas unternehmen. Aber jetzt wäre es zuviel Stress für den Kleinen."
Da bin ich aber erleichtert. Ich werde wieder in die Box gesetzt und nach hause gefahren. Ich glaube, da habe ich noch mal Glück gehabt. Hoffentlich wächst das blöde Ding nicht noch mehr. Habe mich auch gleich wieder zu Paule in das Schlafhäuschen verzogen. Doch abends, bevor ich wieder in den Käfig komme, schmiert mein Weibchen mir eine dicke Salbe auf den Knubbel. Mann, die verschmiert doch das schöne Fell. Aber wenn es hilft, dann muss ich das wohl ertragen. Am nächsten abend bekomme ich auch noch Tropfen. Mein Weibchen gibt mir auf einem Teelöffel 3 Tropfen Medizin.
Ganz vorsichtig schnuppere ich erst mal. Hmmm, riecht ganz gut. Also habe ich den Teelöffel ganz sauber geleckt. Abends freue ich mich schon auf die Medizin, denn sie schmeckt sehr gut. Anscheinend hilft das auch, denn mein Knubbel wird nicht größer.
Außerdem beschmiert sie auch noch meine Hinterpfoten mit einer weißen Creme, die komisch riecht. Angeblich soll das gegen meinen Ballenabszess helfen.
Auch Paule bekommt Medizin, aber die scheint ihm gar nicht zu schmecken. Der Paule pinkelt überall im Käfig hin, sodass wir bald wegschwimmen. Unser Weibchen sagt, das Paule eine Blasenentzündung hat und auch Medizin nehmen muss.
Nun haben wir schon den 4. Juni.
Unser Weibchen kommt erst recht spät wieder nach hause. Und was ist das?? Da bringt die doch schon wieder diese Rattenfrau Kari mit. Das ist richtig gemein, denn nur Aladin darf zu ihr. Aber am nächsten abend dürfen wir alle mit Kari spielen.
Die riecht aber gut. Die nächsten Abende dürfen wir nicht mehr mit Kari spielen. Schade eigentlich.
Als unser Weibchen mich am 7. Juni wieder in den Käfig bringen will, ist sie schon wieder ganz aufgeregt. Ganz vorsichtig streicht sie über meinen Kopf. Was soll das bloß wieder?? Sie spricht ganz aufgeregt mit mir: "Tips, was hast du für einen Pickel auf dem Kopf?" Ich merke nichts und mir tut auch nichts weh, also kann es nichts Schlimmes sein. Nachdem sie sich wieder mit dem Tierarzt in Verbindung gesetzt hat, meint sie nur:"Tips, du hast dich vielleicht zu stark gekratzt. Du brauchst keine angst zu haben." Da bin ich aber beruhigt.
Nun ist schon Donnerstag, der 8. Juni und nur Aladin und Kari sind draußen. Was treiben die beiden denn bloß da?? Die spielen bestimmt fangen, denn Aladin springt immer wieder auf Kari rauf. Ach, da würde ich gerne mitspielen. Als dann endlich Kari und Aladin in ihren Käfig kommen, dürfen wir anderen auch raus. Anscheinend hat Caspar die beiden genau beobachtet. Er spielt jetzt auch fangen. Andauernd springt er auf Paule und auf mich rauf. Mir ist das ganz egal, aber Paule quiekt immer, da er ja auch leicht zur Seite fällt und somit den Kleinen ausgeliefert ist. Unser Weibchen ist jedenfalls mit Kari und Aladin ganz zufrieden. Sie redet jetzt immer, das Kari Babys bekommt von Aladin. Na ja, da bin ich aber gespannt. Weil unser Weibchen so zufrieden mit uns ist, bekommen wir heute auch Erdbeeren. Hmmm, sind die lecker.
Aber Aladin muss nun auch noch Medizin nehmen. In letzter Zeit niest er soviel. Unser Weibchen gibt ihm eine halbe Tablette, die sie zerkrümelt und mit etwas leckerem vermischt. Aladin merkt das nicht und nimmt ganz brav die Medizin.
Da unser Weibchen mich regelmäßig abtastet, hat sie natürlich bemerkt, das der Knubbel größer geworden ist. Eh ich mich versehe´, bin ich auch schon wieder beim Tierarzt. Der befummelt mich schon wieder. Er sagt, das es sich wahrscheinlich nicht um einen Tumor handelt, sondern eine Fettansammlung ist die auch keine Schmerzen verursacht. Eine Operation wäre in diesem Fall zu aufwendig und viel zu viel Stress für das Tier.
Mein Weibchen zeigt ihn auch gleich meine Hinterfüße. Der Tierarzt ist begeistert. Ich habe keine offenen Wunden mehr an den Pfoten, denn die weiße, komisch riechende Creme, hat geholfen.
Na ja, wenigstens etwas gutes.
Unser Weibchen hat schon wieder einen Telefonanruf bekommen. Es heißt, das Aladin doch nicht Vater wird. Allmählich glaube ich, das der zu blöd dazu ist.
Wir haben nun schon den 2. Juli und unser Weibchen erzählt uns, das wir heute Abend Urlaubsgäste bekommen. Oh, vielleicht ja Weibchen?
Schon wieder Pech gehabt. Da kommen doch wieder 2 Rattenböcke mit Namen Apollon und Boreas zu uns. Wenigstens kommen die nicht zu uns im Käfig. Dorian hat den Boreas gesehen und sofort haben die beiden sich durch das Gitter angefaucht. Mann, die mögen sich ja gar nicht.
Unser Weibchen hat dann ein Brett zwischen unsere Käfige gestellt, damit wir die anderen nicht sehen. Nun kommen wir abends zu verschiedenen Zeiten aus dem Käfig. Die beiden Urlauber haben unser Handtuch auf dem Sessel ganz schön markiert. Das gefällt uns nicht, also markieren wir es wieder. So geht das jetzt jeden Abend. Der Boreas hat unser Weibchen auch schon gebissen, weil sie ihn verkehrt angefasst hat. Aber sie hat auch nicht mit ihm geschimpft.
Eines abends darf Caspar ganz alleine mit Apollon auf dem Sessel spielen. Wenn das man gut geht.
Die beiden vertragen sich doch tatsächlich. Sie haben sich ausgiebig beschnüffelt. Unser Weibchen meint, das die beiden sich vielleicht wiedererkannt haben, denn es sind doch Brüder.
Am 14. Juli kommt unser Weibchen auf einmal mit einer hübschen Rattendame an. Die sieht fast genauso aus wie ich. Nur ihr weißer Strich am Bauch ist breiter. Oh, mit der möchte ich mal kuscheln. Leider teilt uns unser Weibchen mit, das diese Dame morgen schon wieder abgeholt wird. Sie hatte bei einer Frau gewohnt, die sie nicht mehr mitnehmen kann, weil sie umzieht. Nun kommt dieses Rattenweibchen zu 5 anderen Rattendamen nach Hamburg. Na, ist vielleicht besser für sie. Abends war die Kleine auch auf dem Sessel. Da wir hinterher auch raus durften, wurde der Sessel erst mal ausgiebig beschnuppert. Mhhh, das roch aber gut nach Rattenweibchen.
Nun haben wir Freitag, den 21. Juli 2000. Unser Weibchen kommt abends erst recht spät nach Hause. Und was ist das denn nun wieder?
Schon wieder ein Rattenmann? Oh, der ist aber noch klein. Unser Weibchen erzählt uns, das es ein Husky ist der ab sofort bei uns wohnt. Sie gibt den Kleinen den Namen Sindbad. Langsam komme ich mir wie im Märchenbuch vor: Aladin und Sindbad.
Das ist nun der kleine Sindbad

Der Kleine wird von uns allen erst mal ausgiebig beschnuppert, gedreht und gewendet. Er lässt alles über sich ergehen und manchmal quiekt er auch ein wenig. Dorian hat ihn gleich unter seine Fittiche genommen und "zwangsgeputzt". Da die anderen doch sehr aufdringlich zu Sindbad sind, hat unser Weibchen den Kleinen über Nacht in einen anderen Käfig gesteckt. Aber am Samstag darf er wieder zu uns. Nochmals wurde er von uns beschnuppert und dann in Ruhe gelassen. Wir alle haben den kleinen Sindbad in unserer großen Familie aufgenommen.
Doch in den nächsten Tagen kratzt er sich recht häufig. Unser Weibchen hat uns dann diese stinkende Flüssigkeit in den Nacken geträufelt. Nach ein paar Tagen hat sich Sindbad dann auch nicht mehr gekratzt. Aber lieber die stinkende Flüssigkeit, als wenn wir alle diese blöden Milben bekommen. Aber durch Sindbad ist wieder Leben in unsere Rattenwohnung gekommen. Er spielt am liebsten mit Casimir fangen. Er hat es auch schon geschafft den Casimir auf den Rücken zu werfen. Das sah vielleicht lustig aus. Wenn Sindbad müde ist oder keine Lust zum Spielen hat, dann verkriecht er sich eine Papprolle. Da diese Rolle doch recht eng ist passt außer Sindbad keiner hinein und er hat seine Ruhe. Meine Beule wird auch immer größer.
Das Essen fällt mir auch sehr schwer. Ich kann das Futter nur noch mit einem Pfötchen halten und es strengt mich doch sehr an. Wir haben nun den 2. August 2000 und ich wiege nur noch 340 gr. Mein Körper besteht nur noch aus Haut und Knochen. Als unser Weibchen abends nach Hause kommt und mich aus dem Käfig nimmt habe ich keine Kraft mehr den Kopf zu heben. Mein Weibchen muss anfangen zu weinen und meint zu mir: "So lieber Tips nun ist es wohl soweit. Ich muss dich wohl von deinem Leiden erlösen." Ich sehe sie noch mal an und stimme ihr zu. Sie legt mich ganz vorsichtig in diese Box, wo wir immer hineinkommen, wenn wir zu diesem Tierarzt müssen. Als wir denn da sind, holt mein Weibchen mich ganz vorsichtig aus der Box. Der Tierarzt meint auch es sei besser so. Mein Weibchen hält mich ganz sanft fest und der Tierarzt gibt mir eine Spritze. Nun werde ich aber müde. Mein Herz schlägt immer langsamer, aber mein Weibchen hält mich doch fest. Hiermit ist dann auch mein Rattentagebuch zu Ende genauso wie mein schönes Leben, das ich bei meinem Weibchen hatte, aber ich werde über die Regenbogenbrücke gehen und meinen Bruder Taps wiedersehen.
Das sind nun die letzten Fotos von mir und der großen Beule.



Um 18.25 Uhr ist mein lieber Tips ganz ruhig eingeschlafen. Ich habe ihm schweren Herzens von seinem Leiden erlöst. Aber es war das Beste für ihn.
Nun habe ich meinen Tips wieder in die Box gepackt und bin nach hause gefahren. Dort angekommen habe ich ihn vorsichtig in den Käfig zu den anderen Ratten gelegt. Alle kamen an und haben ihn ein letztes Mal beschnuppert und Abschied von ihm genommen. Sie waren alle sehr traurig. Was mir noch bleibt sind die vielen Fotos von meinem Tips und die Erinnerung an die schöne Zeit mit ihm. Diese Beule übrigens war eine Fettansammlung in seinem Körper die schon mit Gefäßen, wie ein Netz, umgeben war. Man konnte ihm nicht helfen. Der Abschied von einem geliebten Tier fällt doch sehr, sehr schwer.
Vielleicht entscheidet sich ja einer meiner Ratten dieses Tagebuch fortzuführen. Vielleicht Dorian, Aladin, Casimir, Caspar oder Sindbad? Für Paule kommt es jedenfalls nicht in Frage, denn ihm fehlt Tips doch sehr. Er hat doch immer mit ihm zusammen im Schlafhaus geschlafen und außerdem ist Paule auch schon alt und nicht mehr gesund. Auch er wird bald Tips über die Regenbogenbrücke folgen.
Ende
Nachtrag: Am 28. August 2000 ist Paule über die Regenbogenbrücke seinem Freund Tips gefolgt

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